Kornburg I

  • Ehemalige Wasserburg
  • Im Schlosshof 2
  • Stadt Nürnberg

Nach der Burg nannte sich schon 1236 der Nürnberger Reichsbutigler Chunradus de Churenburc in einer Schenkungsurkunde. Der Name der Burg soll sich vom alten Wort „Kürn“ für Mühle ableiten. Auch in den 1260-er Jahren lässt sich das reichsministeriale Geschlecht von Kornburg nachweisen. Ein wohl jüngerer Cunradus zeugte 1272 für den Reichsministerialen Heinrich von Thann. 1293 werden ein schon verstorbener Konrad von Kornburg und sein Sohn Heinrich genannt. Vielleicht war Konrad mit dem gleichnamigen Nürnberger Zeidelmeister identisch, dessen zweiter Sohn, ebenfalls ein Konrad, 1313 gestorben sein soll. Johannes Müllner erwähnte in seinen Annalen von 1623 auch die Annahme des Nürnberger Bürgerrechts durch „Cunradt von Eibach de Kürenburg“ im Jahr 1308. Vermutlich waren die Kornburger mit den Ministerialen von Eibach eines Stammes [vgl. Eibach].

Die Ausübung grundherrschaftlicher Rechte dürfte für die Kornburger erheblich erschwert worden sein, als der Ort und das Gericht Kornburg als Reichspfandschaft 1299 an Graf Emicho von Nassau, dann 1364 durch Verkauf an die Burggrafen kam. 1347 sollte ein Vergleich zwischen Anna Gräfin von Nassau, ihrem Sohn Emicho jun. und dem Ritter Heinrich von Kornburg die Verhältnisse regeln. Im Städtekrieg erlebten die Kornburger 1388, wie die wohl noch hochmittelalterliche Burg von den Nürnberger Truppen niedergebrannt und geschleift wurde. Unter Stephan von Kornburg dürfte sie bald darauf wiederaufgebaut worden sein.

Nach dem Tod des letzten Kornburgers 1404 brach ein Erbschaftsstreit aus, mit dessen Schlichtung 1405 die Kornburg an die Witwe Katharina von Hohenfels, eine geborene Kornburgerin, fiel. 1405 wurde Katharina von König Ruprecht I. mit der Kornburg auch belehnt. 1422 vererbte sie die Burg ihrer Tochter Anna, die mit Hans von Seckendorff zu Dettelsau verheiratet war. Von Anna von Seckendorff ging sie dann vor 1445 an ihren Sohn Georg von Seckendorff zu Dettelsau, der sich seither zu Kornburg nannte. Er geriet wegen der Nutzung der Kornburger Steinbrüche mit der Reichsstadt in Streit, der 1446 sogar vor den königlichen Hof getragen wurde. 1447 verkaufte der Seckendorffer, der wohl ewigen Ärger mit Nürnberg voraussah, die ererbten Reichslehen, darunter auch die berühmten Sandsteinbrüche, an den Nürnberger Bürger Peter Rieter, der mit seiner Tante Barbara verheiratet war. Die Rieter, wohl der Ministerialität entstammend, hatten vermutlich mit Heinz Rieter 1361 das Nürnberger Bürgerrecht angenommen und waren 1437 erstmals in den Rat der Reichsstadt aufgenommen worden. Die Burg blieb fortan bis zum Aussterben des Geschlechts, das sich bis zuletzt Rieter von Kornburg nannte, in dessen Besitz.

Peter Rieter übergab seinen Kornburger Besitz 1450 der von ihm gegründeten Rieterschen Familienstiftung. Ob die im Ersten Markgrafenkrieg 1449 erlittenen Kriegsschäden bereits behoben waren, wird nicht deutlich. Nach dem Erlöschen der Kornburger Linie der Rieter wurde das Stiftungsgut Kornburg um 1502 unter Jörg Rieter von Boxberg mit der Rieterschen Stiftung Kalbensteinberg vereinigt. Da dieser sich bei Bad Mergentheim aufhielt, überließ er die Administration und Nutzung 1517 gegen einen Jahreszins bis 1585 dem Nürnberger Heilig-Geist-Spital. Das Spital musste im Zweiten Markgrafenkrieg schon am 15. Mai 1552 erleben, wie die Burg und der Ökonomiehof abermals niedergebrannt wurden. Die Beseitigung der Kriegsschäden erfolgte in den 1560-er Jahren, auch im Jahr 1563, als das Waldamt Bauholz aus dem Reichswald zuteilte. Allerdings fiel die Instandsetzung, wie die Rieter später selbst angaben, aus wirtschaftlichen Gründen eher provisorisch aus.

Unter dem Administrator Hans Rieter von Kornburg erlebte die Burg vor allem nach 1600  größere Veränderungen, als man sich nicht mehr mit den beengten Wohnverhältnissen im Wohnturm abfinden wollte. Um 1607 entstand zu seiner Hochzeit in einem Anbau an der Ringmauer der so genannte lange Saal. 1612 wurden dann weitere Anbauten für Wohnräume geplant, weil sich der Schlossherr über die unbequeme Erschließung und Heizung der übereinander liegenden Stuben und Kammern im Turm ärgerte. 1613 wurde schließlich der Abbruch eines westlich am Wohnturm angefügten Fachwerkgebäudes geplant; vorgesehen war, es durch einen massiven, an die Ringmauer angelehnten Baukörper zu ersetzen. Dadurch sollte die Mauer zwischen dem langen Saal und dem Turm vollständig überbaut werden. Der große Umbau wurde 1613 unter der Bedingung, dass keine zusätzlichen Feuerstellen eingerichtet würden, genehmigt und ist wohl 1614 ausgeführt worden. Unter Hans Rieter wurde auch die Vorburg baulich weitgehend erneuert: Neben einer Modernisierung der Stallungen erfolgte um 1608 der Neubau zweier Scheunen und des Amtsknechtshauses. 1613 bis 1615 kam es zum Neu- oder weitgehenden Umbau des Voithauses, eines Viehstalls mit Personalwohnung, einer Wagenremise sowie eines Backhauses.

Die Soldaten des kaiserlichen Generals Wallenstein, die im September 1632 kurz vor dem Abzug aus ihrem Lager an der Alten Veste die Ortschaften auch des südlichen Nürnberger Umlands systematisch anzündeten, hat die baulichen Anstrengungen der Familie Rieter weitgehend zunichte gemacht. Die reichsstädtische Administration verzeichnete hernach in Kornburg insgesamt 83 aus- oder niedergebrannte Gebäude, darunter die Pfarrkirche und das Rietersche Schloss. Nicht geklärt ist, ob die Wasserburg tatsächlich bis 1686 verwüstet liegen blieb, wie mehrfach angegeben wurde. Eine größere Baumaßnahme, die nach Aktenlage des Waldamtes 1682 anlief, könnte nur eine Renovierung der schon zuvor reparierten „alten Gebäu“ gewesen sein. Mit 215 Stämmen Bauholz sollten 1682/83 vermutlich die Dachwerke der Gebäude in Stand gesetzt werden.

Mit dem Tod des Johann Albrecht Andreas Rieter von Kornburg am 13. Februar 1753 starb das Geschlecht aus. Gemäß der Satzung der Rieter-Stiftung des 15. Jahrhunderts und entgegen dem anderslautenden Rieterschen Testament fiel letzlich das Vermögen dem  Heilig-Geist-Spital zu. Infolge von Protesten des Ritterkantons Altmühl behielt dieser aber die Besteuerung der Güter, zugleich wurde jeweils ein Mitglied des Nürnberger Rates als Administrator bestellt, der bei der Ritterschaft immatrikuliert wurde; sie gehörten sämtlich der Familie Haller von Hallerstein an, zunächst Burkhard Albrecht (bis 1763), dann Christoph Joachim (bis 1792) und schließlich dessen Sohn Johann Sigmund Christoph Joachim Haller von Hallerstein (bis 1807). Zumindest die beiden letztgenannten hielten sich im Sommer des öfteren mit ihren Familien im Schloss Kornburg auf. Die Spitalverwaltung zog zwar die Renten des Ritterguts ein, sparte aber am Bauunterhalt der alten, mit einem gefütterten Graben geschützten Wasserburg.

Außerdem musste sie mehrfach Militäreinquartierungen erdulden, bei denen die Ausstattung malträtiert wurde. 1812 wurde die Anlage schließlich an den früheren Kornburger Amtsdiener verkauft, der mit dem Bauunterhalt überfordert war. 1817 war der alte Wohnturm derart baufällig, dass man sich nicht anders zu helfen wusste, als die Obergeschosse abzubrechen.

Im 19. Jahrhundert erlebte das Schloss zunächst die Einrichtung einer Tapetenfabrik, dann einer Tabakspinnerei. Nach 1860 wurde es Quartier einkommensschwacher Mieter. Dass dabei die Bauschäden zunahmen und wertvolle Ausstattungen verloren gingen, ist anzunehmen. 1922 erwarb der Antiquitätenhändler und Maler Heinrich Nüßlein das ziemlich heruntergekommene Anwesen und ließ die Anlage von 1923 bis 1927 sehr frei rekonstruierend erneuern. Nüßlein wollte der Wasserburg zu ihrem alten Erscheinungsbild verhelfen und ließ die Obergeschosse des Wohnturms wieder aufbauen. Auch große Teile des angrenzenden Wohnflügels mit den runden Erkertürmchen sowie die Hoffassaden wurden zu dieser Zeit erneuert. Der Bauherr, der auch vor einer Umgestaltung der historischen Innenräume nicht Halt machte, nutzte sie für Gemäldeausstellungen, sodass die Anlage damals auch als „Schloß der tausend Bilder“ bezeichnet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erwarb Ida Volkert die Burg. Ihre Nachfahren unterhalten sie noch heute. Mittelalterlicher Bestand dürfte nur noch in unteren Bereichen zu finden sein. Die von den Umbauten der frühen Neuzeit geprägten Gebäude umschließen den inneren Burghof und weisen hier Fachwerkaußenwände auf. Die historisierende Galerie mit Freitreppe entstammt dem Nüßleinschen Umbau. Ein nördlich angebrachter Dacherker mit polygonalem Dach, Pilastern und sonstigem Schnitzwerk aus der Zeit um 1600 dürfte erst um 1925 von einem unbekannten Ort hierher transloziert worden sein. Über dem Portal ist ein Allianzwappen des Paul Albrecht Rieter und seiner Gemahlin, einer geborenen Löffelholz, von 1686 zu sehen.


Quellen


StAN Rst. Nbg., Urk. des 7-farbigen Alphabets Nr. 136.  Rst. Nbg., Waldamt Lorenzi I Nr. 450, 1315.

HallerA Personalia Christoph Joachim und Johann Sigmund Christoph Joachim Haller von Hallerstein.

Gelegenhait, Nr. 1104.

Mon. Boica Bd. 47, S. 173 ff.

Müllner I, S. 342, 353, 356f.

NUB Nr. 278, 281, 391, 408, 419, 453, 470,  849, 1063.

Reg. Imp. XIV Bd. 3.2, Nr. 15566.


Literatur


Alberti, Volker: Burgen, Schlösser und Herrensitze in Kornburg und Umgebung (= Adelssitze in Franken 5). Nürnberg 2005, S. 9-23.

Bartelmeß, Albert: Lebensbeschreibung des Hans Rieter von Kornburg (1522–1584) und seine beiden Kopial- und Stammbücher. In: MVGN 56 (1969), S. 360-383.

Dannenbauer, S. 92.

Geiger, Otto: Die Steinbrüche am Kornberg bei Wendelstein. In: MVGN 22 (1918), S. 149 ff.

Großner, Rudolf / Haller, Bertold Frhr. von: „Zu kurzem Bericht umb der Nachkommen willen“. Zeitgenössische Aufzeichnungen aus dem Dreißigjährigen Krieg in Kirchenbüchern des Erlanger Raumes. In: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung 40 (1992), S. 25, mit Hinweis auf die Züge der marodierenden kaiserlichen Söldner am 11./21. September 1632.

HAB Schwabach, S. 401 f, 475.

KDM Schwabach, S. 229-234, mit Grundriss und den zwei Ansichten von 1613, Ansicht von Osten.

KDM Stadt Nürnberg, S. 365 ff.

Stadtlexikon Nürnberg, S. 577, mit Fotografie von G. v. Volckamer um 1894; S. 902 f (Eintrag für Rieter von Kornburg).

Stremel, Fritz: Das Rieterschloß bei Kornburg. In: Die Fränkische Alb 15 (1928), S. 207-211.

Wiedemann, Ernst: Die Besitzverhältnisse am Kornberg bei Wendelstein. In: MVGN 23 (1919), S. 89-93.


Abbildung

Ansicht der Burg aus westlicher Richtung mit dem Ökonomiehof im Vordergrund, Fotografie: G. v. Volckamer um 1894 (StadtMN)

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