Mögeldorf VI

  • Abgegangener Herrensitz, „Doktorschlösschen“ (1972 abgebrochen)
  • Mögeldorfer Hauptstraße 31-39
  • Stadt Nürnberg


Der Sitz geht anscheinend auf einen Bauernhof und zwei Söldengüter zurück, die von den Laufamholzern und nach deren Erlöschen von den Markgrafen zu Lehen gingen. Hieronymus Holzschuher hatte sie 1546 von Christoph Radnecker erworben. Damals saß Erasmus Ebner auf dem Hof [vgl. Mögeldorf II], nach dem Tod seiner beiden Söhne brachte sie 1560/68 Veit Holzschuher an sich, dessen Nachkommen sie bis ins 18. Jahrhundert behielten. In den bekannten Lehenurkunden wird der Sitz allerdings nicht erwähnt. Vielleicht liegt es an seiner späten, zeitlich noch nicht bestimmbaren Entstehung, dass er über keinerlei Wald- oder Feuerrechte verfügte.

Friedrich August Nagel vermutete, der Herrensitz sei womöglich schon im 14. Jahrhundert von der Familie Deichsler erbaut worden. Tatsächlich stiftete dieselbe in die Kirche mehrere Epitaphien. Eine Kreuzigung aus dem späten 15. Jahrhundert zeigt offenbar die Wappen der Brüder Christian und Conrad, letzterer soll mit einer Kettenhöfer verheiratet gewesen und 1352 gestorben sein. Aus dieser nachträglichen Familientradition lässt sich jedoch nicht auf die Existenz des Sitzes schon im 14. Jahrhundert schließen.

Auch die Nachricht über den Verkauf desselben 1538 durch Hans Deichsler an die Holzschuher ist zweifelhaft. Der Sitz umfasste damals angeblich ein Herren- und ein Voithaus, in dem auch ein Bad und eine Voglerstube untergebracht waren.

1560 besaßen die Vettern Veit und Berthold Holzschuher die Laufamholzerischen Lehen. Acht Jahre später übernahm Veit auch Bertholds Halbteil. An Veit Holzschuher, der 1580 starb, erinnert noch ein Epitaph in der Kirche. Vor 1570/71 ging der Sitz (vermutlich aber nur das Erbrecht daran) dann an Endres Preuß über. Dessen Töchter Margaretha und Ursula Preuß veräußerten 1571 an Paulus und Sybille Milchvogel. Von der Witwe Sybille Milchvogel fiel der Herrensitz 1577 wieder an Veit Holzschuher zurück. 1578 beantragte Veit Holzschuher den Abbruch und Neubau des Voithauses. Der Abbruch stieß jedoch auf Schwierigkeiten: Das hölzerne Tragwerk des Voithauses war in der Umfassungsmauer des Sitzes eingelassen, sodass ein Abbruch des Hauses auch zu irreparablen Schäden an der Mauer geführt hätte. Holzschuher durfte daraufhin den Altbau stehen lassen, obwohl er nach dem Waldrecht hätte abgebrochen werden müssen.

Wohl im 18. Jahrhundert gaben die Holzschuher den Sitz auf, behielten aber die Grundherrschaft darüber. Vermutlich gelangte das Gut (um 1756?) an den Nürnberger Bankier David von Scheidlin, da es auf dem Stich von Roth um 1760 erstmals als „Scheidlingisches Schloß“ bezeichnet wurde. Außerdem erscheint seit 1762 dessen Schwiegersohn Christoph Gottlieb Wilhelm von Furtenbach (1732–1782) als Besitzer, der 1762 Margaretha Klara von Scheidlin heiratete (gestorben 1776). Die Tochter Catharina Eleonora Carolina (1765–1794) vermählte sich 1786 mit Christoph Karl von Oelhafen (1764–1831), der 1822 die Holzschuhersche Grundherrschaft ablöste. 1832 erbten die Witwe (Oelhafens zweite Frau Klara Jakobina geb. Kreß) und seine Tochter Katharina Eleonora Karolina, Gattin des bekannten Naturforschers Prof. Dr. August Goldfuß, das nunmehr freieigene Gut. Die Erbengemeinschaft veräußerte es 1835 an den Wundarzt Johann Paul Eckstein, der in den Folgejahren den Hausnamen „Doktorschlößchen“ prägte. Von der Witwe des Wundarztes gelangte das Herrenhaus 1873 an Heinrich Seufferheld, den Schlossgärtner auf dem Sitz Gleißhammer [vgl. Gleißhammer I].

Der Käufer ließ 1877 an der Südwestecke ein Treppenhaus anbauen und die Grabenanlage weitgehend einebnen. Seufferheld geriet bald in wirtschaftliche Schwierigkeiten und musste Konkurs anmelden. Der Herrensitz ging daraufhin in das Eigentum der Süddeutschen Bodenkreditbank über, die ihn 1883 an den Bäcker Johann Lorenz Speiser veräußerte. Dieser vertauschte ihn 1896 an das Ehepaar Ferdinand und Therese Hirt. Noch in den 1960-er Jahren erinnerte Leo Beyer an die bei Renovierungen zum Vorschein gekommenen „buntfarbig schillernden“ Vogeldarstellungen, die Hirt an Wände und Türen hatte malen lassen.

Hirt blieb nicht lange Eigentümer: Im Jahr 1900 folgten die Brennerei Metzger & Böhm und 1936 der Installateur Fritz Großhauser, bis 1958 wieder ein Wechsel anstand. Dem „Doktorschlösschen“ war kein rühmliches Ende beschieden: Schon 1940 waren das Torhaus und um 1960 ein markanter Eckerker abgebrochen worden, 1972 wurde das Herrenhaus, ein dreigeschossiger Sandsteinquaderbau mit Ecktürmchen, noch „rechtzeitig“ vor Inkrafttreten des bayerischen Denkmalschutzgesetzes für den Bau einer modernen Wohnanlage beseitigt.

Quellen


StAN Rst. Nbg., Waldamt Lorenzi I Nr. 462 I und II. Kataster Mögeldorf Nr. 4, Bd. 1.

StadtAN E 10/21 Nr. 88.

Gatterer, Johann Christoph: Historia genealogica dominorum Holzschuherorum. Nürnberg 1755, Codex diplomatum et documentorum Nr. 250d, 258***, 261***, 267*, 269**, 287*, 305*, 316.

Literatur


Beyer, Leo: Mögeldorf, der Schmausenbuck und der Nürnberger Reichswald. Nürnberg 1952, S. 43 f, mit Fotografie von vor 1952.

Ders.: Der Nürnberger Stadtteil Mögeldorf. Eine Häusergeschichte. Nürnberg 1964, S. 51-57.

KDM Stadt Nürnberg (1. Aufl. 1961), S. 275 f.

Kindler, Gerhard: Mögeldorf einst und jetzt. Mögeldorf 1978, Abb. 34, 35.

Mulzer, Vorstädte, S. 14, 83 f.

Nagel, Friedrich August: Führung durch die Mögeldorfer Schlößchen und Bauernhäuser. In: Jahresbericht des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 63 (1940), S. 16 f.

Pilz, Kurt: Die St. Nikolaus- und Ulrichskirche in Nürnberg-Mögeldorf. Nürnberg 1970, S. 19-22.

Rusam, Hermann: Mögeldorf. Aus der Geschichte eines alten Dorfes vor den Mauern Nürnbergs bis zu seiner Eingemeindung am 1. Januar 1899. In: MANL 32 (1983), Heft 1/2, S. 7.

Ders: Die bauliche Entwicklung des alten Ortskerns von Mögeldorf. In: MANL 39 (1990), Heft 1, S. 181-200.


Abbildung

Ansicht des Herrenhauses aus südöstlicher Richtung, Fotografie: G. v. Volckamer um 1894 (StadtMN)

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