Happurg I

  • Abgegangener Herrensitz, „Schloßel“ (Abbruch um 1700)
  • Gemeinde Happurg
  • Landkreis Nürnberger Land


Schon im frühen 18. Jahrhundert konnten die reichsstädtischen Behörden den Ursprung des Happurger Herrensitzes nicht mehr eindeutig klären. Man stellte fest, dass Vorbesitzer bereits im 16. und frühen 17. Jahrhundert verschiedene Liegenschaften erworben und zusammengelegt hatten. Auch die Frage, ob das in einem Weiher stehende Herrenhaus erst 1623 gebaut worden war, blieb unbeantwortet. Damals hatte Paulus Pfinzing von Henfenfeld jun., der Sohn des berühmten Nürnberger Kartographen, das Gut von einem Egidius Künnerlein erworben. Bemerkenswert ist, dass Künnerlein erhebliche Schulden bei dem italienischen Kaufmann Hortensio Broccho hinterlassen hatte, sodass dieser 1623 Anspruch auf den Kaufpreis der Immobilie erhob.

Offenbar war den Nürnberger Beamten seinerzeit eine bis heute erhaltene Karte von etwa 1589 unbekannt, auf der ein markantes Turmhaus dargestellt ist, das zusammen mit dem Kirchturm die übrige Happurger Bebauung deutlich überragt. Nach einem Dokument des Pfinzingarchivs aus der Zeit um 1630 handelte es sich beim Sitz um ein Weiherhaus, das von einem breiten Wassergraben und einer Mauer umgeben war. Zu dem Besitz zählten noch ein Gärtnerhaus, ein Obstgarten und zwei Forellenweiher. Noch 1666 war das „herrnhauß oder schloßel, so im weyer stehet,“ im Besitz der Familie Pfinzing.

Nach dem Tod des Paulus Pfinzing jun. 1631 hatte dessen Sohn Martin Seifried geerbt. 1663 veräußerte er den Happurger Herrensitz dem aus Glaubensgründen nach Nürnberg emigrierten Johann Seifried Leininger von Sorgendorf. Eine zuerst angedachte Verpachtung war dann doch zu einem Verkauf gewandelt worden. Der Käufer, der ehemalige Hofmeister des Herzogs Manfred von Württemberg, verstarb bereits vor 1670. Daraufhin heiratete dessen Witwe Eva Sophia, vermutlich eine geborene Brand von Neidstein, Johann Georg von Preysing zu Lichtenegg [vgl. Lichtenegg].

Offenbar konnte oder wollte der Herr von Preysing, der von Schulden ziemlich geplagt wurde, wenig für den Bauunterhalt tun. Im Jahr 1700 war das Gut bereits „ganz eingefallen und ruinirt“ und wurde an den Reichenecker Pfleger Gottlieb Tucher verkauft. Das Weiherhaus dürfte in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts abgebrochen worden sein.

Quellen


StAN Rst. Nbg., Karten und Pläne Nr. 518.

HallerA, Pfinzingarchiv, Akten Besitz Happurg.

Literatur


Giersch, Robert: Archivalienforschung zur Geschichte des ehemaligen Herrensitzes zu Happurg. Denkmalpflegerische Voruntersuchung 2000. Unveröff. im BLfD.

Ders.: Burg Lichtenegg. Quellen zur Geschichte der Burg und ihrer Besitzer. In: MANL 49 (2004), Sonderheft 50, S. 56-59.


Abbildung

Ansicht des Dorfes Happurg, südlich der Kirche ist deutlich ein Turmhaus zu erkennen, vermutlich kennzeichnet es einen älteren Herrensitz, Ausschnitt aus einer Karte von etwa 1589 (StAN)

Lageplan

Klicken Sie auf [+] um die Ansicht zu vergrößern, [-] zum Verkleinern. Mit Hilfe der Pfeil-Schaltflächen können Sie die Karte verschieben.